„Das ist mein Leben“

17. Juli – 30. Oktober 2022


In vielen Ländern Europas gehören traditionell bewirtschaftete, kleinbäuerliche Betriebe heute weitestgehend der Vergangenheit an. Eine vielfältige, kleinteilige Landwirtschaft ist im Zuge der Industrialisierung einer großflächigen, hochspezialisierten Agrarstruktur gewichen.

Der fortschreitende Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen, Höfesterben und die Technologisierung aller Betriebszweige sind weitere Aspekte dieser sich stark wandelnden Kulturlandschaft.  Viele lokale und regionale Vermarktungskreisläufe existieren heute nicht mehr und landwirtschaftliche Produkte werden weniger für den örtlichen Bedarf, als für den globalen Markt produziert.

Die Ausstellung „Das ist mein Leben“ (17.07.-30.10.) zeichnet ein anderes Bild nach: 40 einzigartige Fotografien Vlad Dumitrescus erlauben uns Einblicke in die Lebenswelten rumänischer Kleinbauern, die durch ihre Wirtschaftsweise noch viel von dem widerspiegeln, was andernorts schon längst verloren gegangen ist: Nachhaltige Kreislaufwirtschaft schafft dort nicht nur eine wunderschöne, sondern auch für viele Pflanzen und Tiere unheimlich wertvolle Landschaft. Die Verbundenheit dieser Menschen mit ihrer Landschaft, ihren Nutztieren und ihrer Kultur ist in den Bildern unverkennbar.

Doch auch dieses Bild will nicht falsch verstanden sein: viele Menschen sehen die dort praktizierten Wirtschaftsweisen als primitiv, rückschrittlich und nicht mehr zeitgemäß an und der Einsatz von Zugtieren in den Mittelgebirgslagen wird gar als Sinnbild einer vorindustriellen, „mittelalterlichen“ Wirtschaftsweise angesehen. Tatsächlich ist auch diese Kulturlandschaft heute in Gefahr: Viele junge Menschen ziehen in die Städte und oft sind es nur die Alten, die an der althergebrachten Lebensweise festhalten möchten. Doch was steht dabei eigentlich auf dem Spiel? Sind kleinbäuerliche Strukturen im 21. Jahrhundert – egal ob in Deutschland, Rumänien, Spanien oder in Lettland – tatsächlich nicht mehr zeitgemäß? Gibt es Elemente dieser Lebensweise, die möglicherweise einen entscheidenden Aspekt einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ausmachen könnten?

Ein umfangreiches Begleitprogramm (Vorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops) macht die Ausstellung, welche das komplette 1. OG des Museumszentrums einnehmen wird, zu einem ganz besonderen Ort der Begegnung und regt zum Nachdenken, Diskutieren und Reflektieren der eigenen Sichtweisen an. In Kürze finden Sie auf dieser Seite auch einen Link zum vollständigen Veranstaltungsprogramm.

Die Ausstellung wurde mit Unterstützung des Kuratoriums UNESCO Welterbe Kloster Lorsch e.V. und dem UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald entwickelt.

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