Meilenstein für die Arbeit in Lauresham

Experimentalarchäologisches Freilichtlabor startet Kooperation mit der University of Oxford

Die wissenschaftliche Arbeit im Experimentalarchäologischen Freilichtlabor Lauresham in Lorsch wird künftig mit der Forschung zum Frühmittelalter an der University of Oxford vernetzt. Darauf
einigten sich die Direktorin des Archäologie-Institutes der Einrichtung, Prof. Dr. Helena Hamerow, und der Leiter von Lauresham, Claus Kropp, im Anschluss an einen Workshop. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst begrüßt die internationale Kooperation als Meilenstein für das an das UNESCO Weltererbe Kloster Lorsch angegliederte Lauresham unter dem Dach der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen.

Museumspädagogik und Wissenschaft vorbildlich verzahnt Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn sagte am Donnerstag, den 11. August 2022: „Das Freilichtlabor Lauresham ist nicht einfach nur ein karolingisches Herrenhofmodell für kurzweilige Ausflüge in die Zeit des Mittelalters. Neben der lebendigen Vermittlung an das Publikum wird dort seit vielen Jahren auch Experimentelle Archäologie betrieben, um die ländlichen Lebenswelten von Mensch und Tier im neunten und zehnten Jahrhundert zu erforschen.

Forscherinnen der University of Oxford ließen sich beim „FeedSax“-Workshop im Juli 2022 in Laureshams Forschungen einweihen.

Damit leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine vorbildlich enge Verzahnung zwischen Wissenschaft und museumspädagogischen Angeboten. Die Kooperation mit der University of Oxford zeigt eine große Wertschätzung der Arbeit in Lauresham und ist eine Ehre – ich wünsche der Zusammenarbeit viel Erfolg!“

Lob aus Oxford für Laureshams „einzigartige Forschung“

Hamerow hatte in einem Brief an Kropp die „einzigartige Forschung“ in Lauresham gelobt. Sie und ihr Team aus Expertinnen der Archäobotanik, Archäozoologie und Archäologie seien bei einem kürzlichen Besuch vor Ort sehr beeindruckt gewesen. Die Professorin stellte Kropp kurz-, mittel- und langfristige Kooperationen in Aussicht. Sie dienten der gemeinsamen Erforschung der „landwirtschaftlichen Revolution“ im Früh- bis Hochmittelalter, als verschiedene Neuerungen wesentlich höhere Agrarerträge zur Folge hatten und für eine verbesserte  Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung in ganz Europa sorgten.

Austausch zu frühmittelalterlichem Ackerbau

„Lauresham bietet eine einzigartige Gelegenheit, unsere Ideen auf den Prüfstand zu stellen, wie die Landwirtschaft des frühen Mittelalters tatsächlich vonstatten ging“, so Hamerow. Die hohe Qualität der experimentellen Arbeit dort „ist andernorts unerreicht“. Die Wissenschaftler:innnen in Oxford freuen sich auf den kommenden Austausch zu Aspekten des Ackerbaus, zur Fruchtbarkeit von Böden, zu Getreideernten, zum Einsatz von Pflügen und zu verschiedenen Kultivierungsmethoden. Datenerhebungen und Befunde würden in Oxford untersucht.

Erste Programme könnten schon 2023 beginnen

Kropp bezeichnete die Absichtserklärung der University of Oxford als „bahnbrechenden Erfolg“ für Lauresham. Neben dem fachwissenschaftlichen Austausch, auch unter dem Blickwinkel von zukunftsorientierter Nachhaltigkeit, sei die Förderung britischer Studierender in Planung. Schon vom kommenden Jahr an könne man in Lauresham zweiwöchige „summer schools“ zur Experimentellen Archäologie anbieten. Auch über die Möglichkeiten von studentischen Feldforschungen werde nachgedacht, die in akademische Abschlussarbeiten münden können.

Ausbau der internationalen Beziehungen

Bereits mit dem „Auerrindprojekt“ zog das Freilichtlabor Lauresham die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich. Seit 2013 arbeitet Kropp daran, Rinder hinsichtlich ihrer Genetik und ihres Verhaltens möglichst nah an den ausgestorbenen Auerochsen heranzuzüchten. 2021 ging das Freilichtlabor hierzu eine Kooperation mit der Universität in Dublin ein. Mit Oxford baut Lauresham die internationalen Beziehungen nun weiter aus.

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