FORSCHUNG & WISSENSCHAFT

Die Welterbestätte Kloster Lorsch ist ein eigenes wissenschaftliches Fachgebiet der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Durch das nahe Museumszentrum, ein archäologisches Depot, aber auch in enger Vernetzung mit Hochschulen und Universitäten, Forschungseinrichtungen und Laboren im In- und Ausland ist Lorsch Ausgangspunkt und Partner von Forschung und Lehre weltweit. Dabei ist die Welterbestätte kein Elfenbeinturm. Vielmehr verfolgt sie den Anspruch, die Ergebnisse von Forschung und Lehre in kulturelle Bildung im weitesten Sinne vor Ort auch umzusetzen. Ob in den täglichen Gästeführungen, dem reichen Angebot der Museumspädagogik und Erwachsenenbildung, ob mit Hilfe von Ausstellungen, der Arbeit mit Modellen, Repliken oder in Form von experimenteller Archäologie, Spezialführungen oder Fachvorträgen: Alle Angebot der Welterbestätte sind wissenschaftsbasiert.

In gewisser Weise wird damit nicht nur ein schon im 8. Jahrhundert angelegter Anspruch in die Zukunft getragen, sondern auch eine Tradition fortgesetzt, die seit dem 16. Jahrhundert gegeben ist: die Erforschung der Geschichte und des reichen Erbes des Klosters. So profitierten gelehrte Philologen von den Inhalten der Bibliothek, die sie nach klassischen antiken Texten durchsuchten. Die erste historische Monographie erschien 1631, die erste Ausgabe des Lorscher Codex war das erste Projekt der frischgegründeten Mannheimer Akademie der Wissenschaften. Die Monumentisten trugen Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen des Klosters Lorsch in die Welt der Gelehrten, in ihrer Tradition stehen Textausgaben, Urkundensammlungen und Spezialuntersuchungen.

 

Aber auch die Archäologie und Bauforschung haben in Lorsch eine reiche Tradition: Georg Moller verdanken wir die Rettung der Torhalle um 1800 und ihre Einordnung in die karolingische Epoche; das ganze 19. Jahrhundert wird man über ihren Erbauungszeitraum und ihre Funktion diskutieren. Am Anfang der Archäologie steht die Schatzsuche des Lorsch Oberforstmeisters von Hausen, in der Folge gab es groß angelegte systematische Grabungskampagnen namhafter Lehrstühle.

Heute ist die Bandbreite der von Lorsch ausgehenden Forschungsimpulse so groß wie noch nie: Sie reicht vom archäologischen Experiment bis zur Untersuchung alter DNA, vom Rückzüchtungsprojekt von Pflanzen ebenso wie in der Nutztierhaltung. Schließlich wurden bspw. eine Gesichtsrekonstruktion anhand des Schädels eines einstigen Klosterinsassen durchgeführt, die gesamte noch vorhandene Klosterbibliothek digitalisiert oder etwa virtuellen Rundflüge über den Besitzungen der Abtei im 9. Jahrhundert unternommen, man erforschte althochdeutsche Sprachzeugnisse oder befasste sich mit frühmittelalterlicher Mauertechnik und Steinbearbeitung.

 

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